Fertigungsgerecht konstruieren: 10 Tipps für wirtschaftliche Frästeile
Innenradien, Taschentiefen, Wandstärken, Toleranzen: zehn Konstruktionstipps, mit denen Frästeile schneller, günstiger und mit weniger Risiko gefertigt werden.

Die Kosten eines Frästeils werden zum größten Teil in der Konstruktion festgelegt. Kleine Änderungen an Radien, Taschentiefen oder Toleranzen entscheiden darüber, ob ein Teil mit Standardwerkzeugen in einer Aufspannung entsteht – oder ob Sonderwerkzeuge, Vorrichtungen und viel Zeit nötig sind. Diese zehn Tipps helfen, Frästeile fertigungsgerecht zu gestalten.
1. Innenecken mit Radius versehen
Ein Fräser ist rund, eine scharfe Innenecke kann er nicht erzeugen. Planen Sie Innenradien ein, die etwas größer sind als der Radius eines gängigen Fräsers. Ist eine scharfe Ecke funktional nötig, sind Freistiche oft die bessere Lösung als aufwendige Sonderverfahren.
2. Taschentiefe begrenzen
Als Faustregel gilt: Die Tiefe einer Tasche sollte das Drei- bis Vierfache des Fräserdurchmessers nicht deutlich überschreiten. Tiefere Taschen erfordern lange, schlanke Werkzeuge, die schwingen und nur mit reduzierten Schnittwerten arbeiten.
3. Ausreichende Wandstärken
Dünne Wände geben beim Fräsen nach und schwingen. Das kostet Maßhaltigkeit und Oberflächenqualität. Wo dünne Wände nötig sind, helfen ein höheres Verhältnis von Wandstärke zu Wandhöhe oder Verrippungen.
4. Standardbohrungen und Gewinde verwenden
Genormte Bohrungsdurchmesser und Gewinde lassen sich mit Standardwerkzeugen fertigen. Sondermaße erfordern zusätzliche Werkzeuge oder Interpolation – beides kostet Zeit.
5. Gewindetiefe sinnvoll wählen
Eine Gewindetiefe von etwa dem 1,5- bis 2-Fachen des Nenndurchmessers reicht in den meisten Fällen aus. Tiefere Gewinde bringen kaum zusätzliche Festigkeit, erhöhen aber das Risiko von Werkzeugbruch.
6. Toleranzen gezielt einsetzen
Enge Toleranzen sind teuer. Legen Sie sie nur an Passungen und Funktionsflächen fest und arbeiten Sie sonst mit Allgemeintoleranzen. Mehr dazu im Beitrag Toleranzen richtig angeben.
7. Aufspannungen mitdenken
Merkmale, die von einer Seite aus erreichbar sind, entstehen in einer Aufspannung. Jede weitere Seite bedeutet Umspannen oder den Einsatz eines Rundtischs. Wo die Funktion es zulässt, lohnt es sich, Bearbeitungen auf wenige Seiten zu konzentrieren – oder auf die 5-Achs-Bearbeitung zu setzen.
8. Oberflächenangaben differenzieren
Eine Rauheit von Ra 0,8 µm auf allen Flächen kostet deutlich mehr als dieselbe Angabe nur an Dicht- und Gleitflächen. Eine Allgemeinangabe plus gezielte Einzelangaben ist meist die wirtschaftlichste Lösung.
9. Werkstoff passend zur Funktion wählen
Gut zerspanbare Werkstoffe wie Automatenstahl, Aluminium-Knetlegierungen oder Messing senken Bearbeitungszeit und Werkzeugverschleiß. Ein Überblick steht auf unserer Seite zu den Werkstoffen.
10. Früh mit dem Fertiger sprechen
Die beste Optimierung entsteht im Gespräch. Wer die Zeichnung vor der Freigabe mit dem Zerspaner bespricht, erfährt, welche Details Kosten treiben – und welche Alternativen es gibt.
Sie haben ein konkretes Bauteil? Senden Sie uns Ihre Zeichnung mit Werkstoff und Stückzahl – wir prüfen die Fertigung und melden uns mit einem Angebot.


